Über die Echtheit von Geiger-Serigrafien

Liebe Freunde der Kunst von Rupprecht Geiger,

vor ein Paar Tagen habe ich wieder einmal eine Mail erhalten, in der man mich um die Feststellung der Echtheit einer Serigrafie von Rupprecht Geiger bat. Das Blatt war über eBay ersteigert worden und es war -wie so oft- (wieder einmal) ein Blatt, das aus dem ursprünglichen künstlerischen Kontext herausgenommen worden war.

Der Verkäufer hatte sich die Mühe gemacht, auf folgendes hinzuweisen: „ dieses Blatt gab es nur unsigniert, alle signierten Blätter sind Gefälligkeitssignaturen, die meisten aber sind falsch.“ Natürlich ist das Blatt unsigniert, wenn es aus einem Kalender aus dem Jahr 1991 (WVG 182) entnommen wurde und unterhalb des Kalendariums oben abgeschnitten worden ist. Natürlich ist das Blatt unsigniert, wenn über 7.000 Kalender gedruckt worden sind. Der Künstler hat ab und zu sehr wohl unsignierte Blätter oder Plakate signiert, wenn ein Freund, ein Sammler oder ein Galerist ihn darum bat. Diese sogenannten „Gefälligkeitssignaturen“ gelten als autorisierte Signaturen des Künstlers, da er sie aus Freundschaft auf diese Blätter gesetzt hat. Zudem habe ich, seitdem ich für meinen Großvater arbeite, nur sehr selten gefälschte Signaturen gesehen.

Nicht nur aus dem Kalender wurden Blätter herausgeschnitten, sondern auch aus dem Werkverzeichnis der Druckgrafik von 1972 (WVG 149) mit 30 eingebundenen Serigrafien; oder Serigrafien aus dem Ausstellungskatalog Bottrop von 1975 (WVG 160), welches mit drei eingebundenen Originalen erschienen ist. Seit kurzem wird sogar das Rotbuch 1975/1998 (WVG 195), welches Heinrich Böll Mitte der siebziger Jahre Rupprecht Geiger als leeres Buch übergab, und welches der Künstler im Laufe der Jahre mit Notizen und Skizzen versah, auseinandergeschnitten. Dieses Rotbuch ist dann als Faksimile zum 90. Geburtstag des Künstlers und anlässlich einer großen Retrospektive im Lenbachhaus erschienen. Und nun wird auch diese Publikation ausgeschlachtet und die einzelnen Seiten als „äußerst seltene“ Originalserigrafien verkauft. Selbstverständlich sind diese Blätter selten, weil Rupprecht nie das Rotbuch auseinandergeschnitten hätte, ein über Jahre hinweg entstandenes, mit dem Herausgeber und dem Drucker lang entwickeltes und im Siebdruckverfahren gedrucktes Buch.

Originalserigrafien sind immer signiert. Sie sind auch mit einer Nummerierung versehen, die Auskunft über die Höhe der Auflage gibt, die wiederum im Werkverzeichnis der Druckgrafik angegeben ist. Zu den regulären Auflagen gibt es auch Proben und Künstlerexemplare – mit f.d.K. „für den Künstler“ oder e.a. „épreuve d’artiste“ –, die als solche gekennzeichnet sind. Das Blattformat variiert innerhalb einer Edition nicht, außer es handelt sich um sehr frühe Editionen oder Nachdrucke von Rupprecht, die auch als solche gekennzeichnet worden sind. Ausschlaggebend ist auch der Preis: Eine signierte und nummerierte Serigrafie von Rupprecht Geiger kann man bereits für 300,00 € erwerben (bei kleinen Formaten und sehr großen Auflagen) und ist bis auf 5.000,00 € steigerbar.

Das bei eBay gekaufte Blatt mit der Frage nach der Echtheit, das zu diesem Artikel geführt hat, ist also mit dem Einverständnis des Künstlers gedruckt, aber aus dem ursprünglichen, vom Künstler erdachten Kontext, entnommen worden, und dies ohne sein Einverständnis. Ein solches Blatt hat also wenig Wiederverkaufswert und entspricht nicht dem, was der Künstler sich ausgedacht hatte. Wer sich aber ein derartiges Werk aus ästhetischen Gründen kauft und an die Wand hängen möchte, soll es einfach machen. Allerdings sollte er beim Kauf nicht in die Irre geführt werden und von Anfang an wissen, was er tatsächlich erwirbt.

Gerne können Sie sich in einem solchen Fall oder bei Fragen an das Archiv-Team wenden. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

WVG 182, Kalender 1991, 182/3 März

Empfohlene Zitierweise: Geiger, Julia: Über die Echtheit von Geiger-Serigrafien [30.01.2014], in: Archiv Geiger Blog LINK (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ)

Tweetup aus der Sicht der Archiv-Leiterin – mein ganz persönlicher Eindruck

Als mich Christian Gries Mitte August mit der Anfrage zu einem Tweetup im Archiv kontaktierte, musste ich doch noch ein wenig im Internet recherchieren. Ich hatte schon davon bei der Münchner Tagung „aufbruch.museen und web 2.0“ im April gehört, aber wie so etwas ablief, wusste ich noch nicht so ganz genau. Dass wir mitmachen werden, war mir aber sofort klar. Eine neue Art der Kommunikation- und Kunstvermittlung! Für eine so junge Institution wie das Archiv Geiger! Auf jeden Fall!

Es folgte die Auswahl der Werke von Rupprecht, die während der Exklusiv-Führung gezeigt werden sollten. Und selbst für mich, obwohl ich fast alle Werke meines Großvater’s kenne, auf’s Neue faszinierende Farbeindrücke, als ich mit Franziska die Aufbewahrungsboxen öffnete. Sandra wurde gefragt, ob sie mit mir die Gruppe durch die Räume führen würde. Ich hatte gelesen, daß es schwierig sei, vor einem auf Bildschirme schauenden und Tastaturen tippenden Publikum zu reden. Zu Zweit könnten wir uns zumindest im Dialog austauschen. Dann ein gefilmtes Interview …

Am 17. September waren wir dann aber echt aufgeregt, was nun auf uns zukommen würde. Die ersten Teilnehmer kamen an, jung, sympathisch, ungezwungen. Und es waren Blogger, die halt ganz normal „auf einen Zettel“ mitschreiben werden. Auf die anderen, aufgrund des Berufsverkehrs verspäteten Teilnehmer wartend, ergaben sich ganz nette Gespräche. Um 19:00 begannen wir dann mit den 11 Personen. Es war tatsächlich ein wenig irritierend die tippenden Teilnehmer zu führen. Keine Blickkontakte, kein Feedback. Ziemlich verunsichernd!

Zum Glück entstand ein Austausch mit Sandra! Und ein Paar Blogger hatte man auch als Ansprechpartner. Christian Gries las zwischendurch ein Paar Kommentare oder Fragen, was die Führung lockerte. Im Laufe der Stunde entspannte ich mich sichtlich und es machte echt Spaß, über die Werke zu erzählen, die normalerweise im Depot sind. Wir hätten gerne noch länger darüber reden können, aber sowohl die Twitterer als auch die Mitverfolger „da draußen“ brauchten eine Pause. Danach gingen wir alle zusammen in eine nette Wirtschaft, eine der Stammlokale meiner Großeltern! Ein sehr gelungener Abend mit neuen Eindrücken! Nun ist das gesamte Archiv-Team auf die direkten Folgen für die Archiv-Arbeit gespannt … Ein ganz herzliches Dankeschön noch mal an die Veranstalter!!!

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