Jubiläum

Monika und Rupprecht Geiger mit Edith Wahlandt 1993, Foto: Theresa Froh, Beilstein

Anlässlich ihres 70. Geburtstags Ende Januar präsentiert Edith Wahlandt-Mettler in der Ausstellung „In Erinnerung – Blicke zurück“ eine Auswahl an Werken von bereits verstorbenen Künstlern, die sie in ihrer Galerie-Tätigkeit begleiteten.

Auch mit Rupprecht Geiger verband sie eine enge Zusammenarbeit: bereits 1978 findet die erste Ausstellung „Rupprecht Geiger. Zeichnungen und Gouachen“ in der Galerie, damals noch mit Sitz in Schwäbisch-Gmünd – statt. In regelmäßigen Abständen und mit Publikationen ergänzt, wird das Werk Geigers – von Gemälden zu Serigrafien und Papierarbeiten – in der Stuttgarter Edith Wahlandt Galerie gezeigt. Zuletzt eine Einzelausstellung mit Grafitarbeiten im September 2013.

Auch gab sie 1993 die Lithografie Ohne Titel (WVG 190) im Jahr 1993 heraus, der letzte Steindruck im gesamten druckgrafischen Oeuvre Geigers.

Ohne Titel (WVG 190), 1993, Lithografie/BFK Rives, 195 g, Motiv: 42 x 30 cm

Heute noch, nach dem Tod Geigers, besteht die Verbindung zwischen der Galeristin und dem Archiv Geiger, wenn sich Edith Wahlandt mit durchdachten Präsentationen und seiner regelmäßigen Vertretung auf Kunstmessen für Rupprecht Geigers Werk stark macht.

In ihrer oben erwähnten Jubiläumsausstellung ist vom 7. Februar bis 21. April 2015 von Rupprecht ein Werk aus dem Jahr 1970 zu sehen, welches trotz seiner zarten Farbigkeit kraftvoll wirkt.

595/70 (WV 572), 1970, Acryl auf Holz, 99 x 111 x 6 cm

Das Archiv Geiger gratuliert ihr ganz herzlich zu diesem feierlichen Anlass!

 

 

Farbe denken

Foto: Eugen Gomringer mit Rupprecht und Monika Geiger in der Galerie Edith Wahlandt, Schwäbisch Gmünd 1983

Anlässlich Eugen Gomringers 90. Geburtstag am heutigen Tag möchte das Archiv Geiger auf die Beziehung Gomringer-Geiger aufmerksam machen. Eugen Gomringer und Rupprecht Geiger waren befreundet und haben die Arbeit des jeweils anderen sehr geschätzt. Gomringer hielt nicht nur die Laudatio zum 100. Geburtstag von Rupprecht Geiger, sondern es kam auch zu einer Zusammenarbeit, bei der Gomringer mehrere Texte u. a. zu Geiger-Sammelmappen schrieb.

Hier ein paar Auszüge aus der Mappe Rupprecht Geiger (WVG 171) aus dem Jahr 1983, die aus einer Lithografie, einem Siebdruck und einer Collage besteht. Eugen Gomringer nähert sich mit poetischen Worten den Werken:

 

Aus Mappe Rupprecht Geiger (WVG 171/1), 1983, Lithografie/BFK Rives, 250 g, 37,5 x 51 cm

 „wer hat angst vor schwärze? wer hätte schwärze nicht und fürchtete sich ihrer trotzdem (auch nicht)! überzeugt: am anfang war alles schwarz. zuvor allerdings war grau (übereinstimmend mit paul klee’s chaos). (…) und doch betrügt schwarz mehr als jede andere farbe. denn es gibt gar kein schwarz. schwarz ist immer nur das gegenteil von. (…) am anfang war wirklich das schwarze meer. zuvor allerdings das graue meer und die graue stadt am grauen meer und in der ferne ein lichtstreif. rupprecht geiger hat den wohl als erster gesehen. und er war waagrecht und siehe: es war ein ein guter streifen. erkenntnis schreibt sich weiss auf schwarz.“

 

Aus Mappe Rupprecht Geiger (WVG 171/2), 1983, Serigrafie/Bristolkarton, 400 g, 37,5 x 51 cm

„rot ist auf alle fälle nicht blau. aber rot ist der eingang zu schwarz. Erkenntnis schreibt sich weiss auf schwarz, doch der name der erkenntnis ist rot. (…) das sieht rupprecht geiger richtig: man muss rot differenzieren, mehr als jede andere farbe. rot ist in sich gegensätzlich. (…) rein und rot wie wein und brot. denken wir doch einmal an die mysterien: indem der mensch sich nach katharsis sehnt, ergreift er, was sich ihm als sühnopfer stellvertretend für sein eigenes beflecktes leben anbietet. ohne rot undenkbar. ganz oben wird schon gelb vermutet.“

 

Aus Mappe Rupprecht Geiger (WVG 171/3), 1983, Serigrafie+Collage/Bristolkarton, 400 g, 37,5 x 51 cm

“es gibt auch blaue geheimnisse in der welt. (…) am grund ist alle bläue schwarz. und doch betrügt schwarz mehr als jede andere farbe. blau indessen lässt sich nicht betrügen. Es enthält schwarz. blau kommt nie aus blau heraus. orange liegt fern. gewiss, es gibt auch das blaueste blau. doch ist am schluss wieder alles einfach blau. blau wird zurückgelassen, bleibt aber unvergessen. blau:all-ein-sein.“

 

Eugen Gomringer fertigte auch einen visuellen Text für die Mappe Rupprecht Geiger – Metapher Zahl (WVG 175) an, die 1985-1989 entstand.

Eugen Gomringer, Visueller Text zur Metapher Zahl 8 (WVG 175/8), 1988

 

Das Archiv Geiger beglückwünscht Eugen Gomringer ganz herzlich zu seinem Geburtstag!