Sammlergedanken #10

Eine langjährige Geiger-Sammlerin gewährt uns hier einen spannenden Blick in ihr „Geiger-Reich“!

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„Vor drei Jahren habe ich die Nische meines Wohnzimmers neu streichen lassen. Dazu habe ich dem Maler eine kleine Grafik von Rupprecht Geiger gezeigt und gesagt, dieses Blau möchte ich. Die Gestaltung der Schränke rechts und links der Nische wurden vor Jahrzehnten von Rupprecht entworfen, und dazu sollte die Farbe auch harmonieren.
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Und jetzt habe ich eine Arbeit von Rupprecht erworben und in diese Nische gehängt- sie ist wie dafür geschaffen. Sie bringt das Zimmer zum Leuchten und auch die Spiegelung nachts in der Terrassentür ist umwerfend.“

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Sammlergedanken #9

Nach einer Pause erreichte uns mal wieder ein schöner Sammlergedanke, diesmal von Steffie Müller:

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„Die Postkarten habe ich anlässlich eines Archiv-Besuchs gekauft. Endlich sind sie eingerahmt. Es geht nichts über die wunderbaren Farben von Rupprecht Geiger. Sie geben Energie!“

Sammlergedanken #8

Copyright: Kurt Rodahl Hoppe

Rupprecht Geiger
von Asger Schnack

1972: Ein Lyrikband, Jeg drømmer om langvarig sol [“Ich träume von Langzeitsonne”] war vom Verlag Borgen zur Veröffentlichung angenommen, und der Verleger Jarl Borgen kam aus Deutschland zurück, wo er ein großes Gemälde eines Künstlers namens Rupprecht Geiger gesehen hatte. Jarl Borgen schlug vor, Rupprecht Geiger zu fragen, ob er den Umschlag entwerfen wolle. Jarl Borgen schrieb Rupprecht Geiger einen Brief, in dem er den Lyrikband als Kunst um der Kunst willen beschrieb, und Rupprecht Geiger antwortete, dass er gern den Umschlag machen wolle. Kurz darauf erhielt der Verlag eine Schablone für einen Siebdruck, eine Farbenprobe (fluoreszierendes Gelb), sowie Angaben über Textplatzierung und Schriftschnitt. Alles sehr genau erklärt. Es wurde der schönste Buchumschlag, den ich jemals gesehen hatte, eine Ermunterung meines Lebens. Dort, damals und noch heute.

1999/2000: Ich fuhr mit meiner Frau nach München, um im öffentlichen Raum Geiger-Werke zu sehen und im Lenbachhaus. Wieder daheim schrieb ich Rejsen til Geiger [“Die Reise zu Geiger”] – eine Art Künstlermonographie in Gedichtform. Etwa eine Woche vor Rupprecht Geigers Geburtstag 2000 fragte ich meinen Freund Herbert Zeichner, ob er das Gedicht ins Deutsche übersetzen wolle. Er sagte Ja und saß während einiger hektischer Werktage vor meinem Computer und unterbrach hin und wieder meinen Redeschwall mit dem Wort “Stilleleg” [ein Wort aus dem dänischen Kindergartenalltag, wo man “still spielt”. A.d.Ü.], wenn er einmal nachdenken musste. Meine Idee für dieses Buch war, Leben und Werk simultan zu beschreiben anhand von Beispielen mit vielen kleinen Werkgedichten in Form einer Ekphrasis. Wir schickten Rupprecht Geiger rechtzeitig zu seinem 92-jährigen Geburtstag die Übersetzung zu. Als ich später im selben Jahr den Verlag Bebop gründete, veröffentlichte ich Rejsen til Geiger in einer zweisprachigen Ausgabe – mit Umschlag von Rupprecht Geiger. Wir schrieben ihm einen Brief und fragten, ob er das machen würde, und genau wie 1972 schickte er Material, sodass wir den Umschlag als Siebdruck (mit fluoreszierenden Farben) drucken konnten. In dieser Weise hat Rupprecht Geiger in einem Intervall von 28 Jahren die Umschläge gemacht für zwei meiner Gedichtbände.

2001: Ich fragte Rupprecht Geiger, ob es möglich wäre, in meinem Verlag Bebop eine Auswahl seiner Texte zur Farbentheorie zu veröffentlichen. Das sei kein Problem, nur erbat er sich zwei Belegexemplare des Buches. Ich nahm die Auswahl vor, und Herbert Zeichner übersetzte ins Dänische. Als Titel wählten wir Farve er motivet [“Farbe ist das Motiv”], und das Buch erschien am selben Tag wie Yves Klein: Hinsides kunstens problematik [“Jenseits der Problematik der Kunst”].

2003: Zum 95-jährigen Geburtstag Rupprecht Geigers besorgte die neueröffnete Storms Galerie in Düsseldorf eine Ausstellung mit Werken des Künstlers, der – wie aus der Einladung hervorging – bei der Vernissage selbst anwesend sein würde. Ich dachte, das wäre die Chance für eine Begegnung mit Rupprecht Geiger, um ihm einmal im Leben die Hand zu reichen. Ich kaufte ein Bahnticket, hin und zurück, und schmierte mir Stullen als Reiseproviant. Ich war seit meiner letzten Reise im Besitz eines 100 Euro-Scheins. Dermaßen ausgestattet machte ich mich auf die Reise. Als ich in der Galerie ankam, konnte ich der Eröffnungsrede entnehmen, dass Rupprecht Geiger sich leider in München aufhielt (er brauchte Ruhe nach den Geburtstagsfestlichkeiten), aus der Begrüßung wurde also nichts. Stattdessen gab es mehrere Inkarnationen in Form von Kindern und Enkelkindern, die ihm alle ähnlich sahen. Der Katalog (oder richtiger: ein Werkverzeichnis, das anlässlich des Geburtstages gerade erschienen war) kostete 95 Euro; ich kaufte es. Ein großes Gemälde warf aus dem Fenster rotes Licht in den Regen hinaus auf den Parkplatz vor der Galerie. Für die verbliebenen fünf Euro kaufte ich mir im Bahnhof zwei Würstchen mit Senf, bevor der Zug zurück nach Kopenhagen abfuhr. Daheim angekommen schrieb ich den Artikel “Farven rød” [Die Farbe rot], der in der Tageszeitung Information am 27. Februar 2003 abgedruckt wurde.

2008: Mein Neffe und ich nahmen ein frühes Morgenflugzeug nach München, eilten ins Lenbachhaus und sahen die 100-Jahres Ausstellung, weiter zur Walter Storms Galerie, anschließend Treffen mit Wolfgang Wassermann (Kauf von Siebdrucken), zurück zu Walter Storms (mein Neffe kaufte einen Siebdruck), wieder ins Lenbachhaus (Erwerb von Büchern und Plakaten), in der Stadt essen, zurück nach Hause mit dem späten Abendflugzeug. So viele Geiger-Bilder in so kurzer Zeit – großartige Augenblicke. Ach, Sonne, ach, Licht!

2014: Ich veröffentlichte – acht Jahre nachdem die Idee konzipiert war – das Gedicht Kick A. Min Kunsthistorie [“Kick A. Meine Kunstgeschichte”]. Das Buch enthält drei Abschnitte: “Die drei Großen: Cézanne / Kandinsky / Kirkeby”, “Die zwei Großen: Arp / Picabia” und “Licht und Gedanke: Klein / Geiger / Flavin”.

Außer den erwähnten Texten habe ich verstreut in meinen Gedichten Gedichte über Rupprecht Geiger oder über einzelne Gemälde von Geiger veröffentlicht.

Ein paar Worte über Rupprecht Geiger:
Rupprecht Geigers Werke üben eine heilende Wirkung auf das Seelenleben aus.
Rupprecht Geiger ist seit 1972 für all mein Tun und Handeln ein Hebel gewesen.
Rupprecht Geigers Werke “Morgen Rot” und “Abend Rot” sind das ultimative Werk.

(Aus dem Dänischen übersetzt von Johannes Feil Sohlman)

 

Vielen Dank, Asger Schnack, für diese schöne Reise zu Ihren Erlebnisse mit der Kunst Geigers!

 

Sammlergedanke #6

Das Archiv hat sich sehr über eine erneute Zusendung eines Sammlergedankens gefreut – diesmal von Andrea S. aus München!

„Nachdem wir als ‚Geiger-Fans‘ uns schon lange an einem Bild
zuhause erfreut haben, haben wir uns für die neue Wohnung
noch ein zweites gegönnt! Was für ein Glück!
Jeden Morgen, noch bevor wir die Vorhänge aufziehen, geht
für uns die Sonne auf – und scheint bis spät in die Nacht…
also ein wunderbarer Energiespender für uns!“

Vielen Dank, liebe Andrea S. für diese schönen Worte!

Sammlergedanke #5

Zum Jahresbeginn möchten wir mit Ihnen einen sehr schönen, ja nahezu poetischen Text über das Werk Schwarzes Rot (WVG 178, 1989) teilen:

Welche Kraft dieses Bild hat!
Alles scheint es aufzusaugen, jede Regung,
jeden Impuls im Raum, jedes Eintretenden Blick,
bindet alles und strahlt’s gebündelt machtvoll wieder ab.
Und doch ist es vollkommen ruhig, unbewegt, es schwebt,
rein aus sich heraus wirkt es, bannt es, leuchtet es,
anders jeden Tag, zu jeder Stunde, anders bei jedem Licht;
wie stark es ‚da ist‘ am Tag, noch wenn‘s im Rücken hängt,
und wie geheimnisvoll bei Nacht, im Dämmer der Laternen draußen,
kein Moment ist wie der andere bei diesem Bild.
So klar es ist, diese Scheibe, fast ein Kreis, so fragil das Spiel der Kräfte:
oben schwer, hart abgesetzt, unten lichter, leichter,
entgegen der Schwerkraft, die doch Masse sinken lässt,
löst sich das Gewicht, geht es über, gravitiert ins Schweben.
Aber was für eines: erhaben! Am Rand vibrierend zwar
von innrer Spannung, jedoch gebändigt, ausgewogen
(zudem glücklich fein gefasst vom Rahmen), klingt aus ihm
Hoheit, als könne sich nur das Sublime zeigen,
wo solch starke Form auf solche starke Farbe trifft.
Dies Bild ist Farbmacht und reine Gestalt,
groß nicht, aber Großes spricht es aus,
kein Abbild ist es, und ist doch,
ins Negativ gewendet, schwarz glühend,
bedrängend und befreiend, bestürzend und beglückend
– – eine Sonne.

 

 

 

Sammlergedanke #4

Auf dem Blog von Evelyn James, die am 17.09. am Tweetup im Archiv Geiger teilnahm, haben wir einen schönen Gedanken zur Farbe Rot gefunden:

„Seine Bilder strahlen. Die Farben sind so intensiv, dass man sie beinahe fühlen kann. Sein rot ist nicht nur rot, sondern rot mit gefühlten hunderttausend Ausrufezeichen. Und sein pink erst!“

 

Sammlergedanke #3

Im Rahmen des Gewinnspiels „Have you seen Geiger?“ schrieb uns eine Teilnehmerin folgendes:

„Ein Leben ohne Pink ist vorstellbar, aber sinnlos.“ -P.P.

Foto S. Nauman 2012

 

Da dieser Satz aus Rupprechts Mund hätte kommen können, mussten wir ihn einfach teilen!

 

 

 

Sammlergedanke #2

Vor kurzem erhielten wir eine Email von einem begeisterten Geiger-Fan. Das hätte den Rupprecht ganz sicher gefreut!

WVG 83, Rot-Orange auf Pink, 1965/1968

WVG 83, Rot-Orange auf Pink, 1965/1968

„Mein neues Bild ist wunderbar!
Wenn ich davor stehe, geht mir das Herz auf.
Ich kann durchatmen bis in die letzten Haarspitzen.
Gleichzeitig könnte ich vor freude weinen!
Die Farben sind dermaßen stark und von solcher Stärke und positiver
Energie, dass es einfach unglaublich ist.“

Ch. W.-K.

 

Herzlichen Dank fürs Teilen!

 

Sammlergedanke #1

Oft erzählen uns Sammler von Rupprecht Geiger oder Besucher des Archiv Geiger lustige, interessante und sogar rührende Geschichten dazu, wie sie zu „ihrem Geiger“ gekommen sind, oder was ihre Begeisterung für diesen Künstler entfacht hat. Wir möchten nun deshalb eine neue Rubrik auf unserem Blog starten: „Wie kam ich zu Geiger?“. Ein Begeisterter hat uns freundlicherweise seine Geschichte geschickt. Liest selbst!

Rupprecht Geiger 90 (Motiv Rot - WVG 196-3), 1998

 

„Die Faszination für die Arbeiten Geigers begann sehr früh.
Als 13-Jähriger sah ich das erste Mal mit einem gewissen Bauchkitzel so ein unglaubliches pinkes Bild.

Ich wollte, schlicht gesagt, damals unbedingt so ein Gemälde, wusste aber weder den Künstler noch meine damaligen finanziellen Möglichkeiten einzuschätzen.

Die Zeit verging und irgendwann, viele viele Jahre später hatte ich dann einen Geiger.

Die Faszination für die Arbeiten Geigers ist geblieben. Vor den gelben, roten und pinken Bildern stehend wird man geradezu in diese hineingezogen — ein rauschhaftes, euphorisches Eintauchen in dieses … ja fast schon entmaterialisierende Rot und Pink.“

A. H.

 

Herzlichen Dank an A.H. für das Teilen seiner Begeisterung!

Falls auch Sie Ihre erste Begegnung mit dem Werk Rupprecht Geigers mit uns teilen möchten, können Sie uns gerne eine Email schreiben an: info@archiv-geiger.de

Wir freuen uns sehr auf weitere Erinnerungen, Geschichten und Eindrücke!