Impressionen #16: Kunstprojekt mit Jugendlichen

Kunstprojekt in Kooperation mit dem Archiv Geiger für Kinder und Jugendliche aus dem Jugendtreff pfiffTEEN Hadern

Am Vormittag des Donnerstags, den 9. Februar 2017, haben wir, die Mitarbeiter des Jugentreff (JT) pfiffTEEN Hadern (KJR München-Stadt) mit 8 Mädchen und 7 Jungen (aus den fünften und sechsten Klassen der Mittelschule Guardinistraße) zuerst das Archiv Geiger in München-Solln besucht und danach an einem Siebdruck-Workshop im Atelier von Ekkeland Götze teilgenommen.

Doch wie kam es dazu, dass unserem Jugendtreff die Ehre zuteil wurde, bei einem so exquisiten Kunstprojekt teilzunehmen. Die Idee entstand schon vor etwa zwei Jahren, nachdem ich privat an einem Siebdruck-Workshop des Archiv Geiger bei Ekkeland Götze teilnahm und mein entstandenes Werk mich sehr stolz machte.
Meine folgende Überlegung war, dass sich unser lichtdurchfluteter und stark frequentierter Jugendtreff wunderbar dazu eignen würde, die selbst erstellten Werke der Kinder auszustellen. Außerdem würden sich die Kinder Gedanken über die Entstehung von Kunst, die Betitelung und die Art der Aufhängung der Exponate machen müssen, da sie mit der öffentlichen Ausstellung ihrer Werke erklären müssten, was genau sie da auf welche Art und Weise erschaffen haben.

Anschließend an die Geburt der Idee hieß es, die Verantwortlichen des Archivs Geiger, meine Kollegen im Team des Jugendtreffs, die Mittelschule an der Guardinistraße und nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen zu überzeugen, dass ein derartiges Projekt allen einen Vorteil bringen würde und zudem hervorragend zu unserem diesjährigen Motto ‚Farbe Rot‘ passen würde.
Mit einigen Besprechungen waren alle Widrigkeiten ausgeräumt und es konnte zur Realisierung fortgeschritten werden.

Treffpunkt 9. Februar, 10 Uhr, Archiv Geiger: Dort erhielten wir bei einem geführten Rundgang durch die ehemaligen Atelierräume einen Einblick in das Leben und Werk des Künstlers Rupprecht Geiger. Wir lernten einiges über Methode und Ziel des Künstlers sowie dessen angewandter Techniken und verwendeten Pigmente.


Danach ging es mit dem Erlernten und dem Erlebten im Gepäck zum Mittagessen zurück in den JT pfiffTEEN nach Hadern.
Gestärkt und ausgeruht machten wir uns sodann auf den Weg zum Atelier des Künstlers Ekkeland Götze nach Sendling, um dort bei einem Siebdruck-Workshop selbst Hand anzulegen, Rupprecht Geigers Haupttechnik konkret auf den Grund zu gehen und – nicht zuletzt – selbst ein kleines Kunstwerk zu erschaffen.

Nachmittag, 15 Uhr, Atelier Götze, Gotzingerstr. 52 B: Nach einer kurzen Einführung in die verschiedenen Arten der Drucktechnik wurde gegen 15.30 Uhr unter Anleitung von Ekkeland Götze zur Tat geschritten und es entbrannte ein aufgeregtes Treiben. Während die Farbtöne von leuchtend Orange nach Pink auf das Sieb aufgetragen wurde, keimte schon die erste Idee bei den Kindern auf, wie solch eine Farbmodulation entstehen könnte. Die Mutigeren unter ihnen mussten gebremst und die Schüchternen leicht ermutigt werden. Sie durften nacheinander ihren ganz persönlichen Bogen, der vorab nummeriert und dem entsprechenden Namen zugeordnet wurde, bedrucken, indem sie den Rakel mit Druck über das Sieb zogen. Danach wurde der Bogen zur Trocknung aufgehängt. Die Schürze musste zügig dem nächsten TeilnehmerIn übergeben werden, sodass es zu keinem Arbeitsstopp kam, denn schließlich hatte Ekkeland die klare Anweisung gegeben, nicht zu trödeln, damit die aufgetragene Farbe am Sieb nicht antrocknet.
Gegen 16.30 Uhr hatten alle Kinder eigenhändig zwei Bögen gedruckt und wollten diese am liebsten sofort mitnehmen.
Jedoch wurde ihnen nochmals erklärt, dass erst nach der Trocknung eines der Werke an sie überreicht, das zweite im Jugendtreff aufgehängt und ausgestellt wird. Die sinnliche Erfahrung des Erschaffens hatte sie erst richtig begreifen lassen, wie der Künstler Rupprecht Geiger gearbeitet hat.

Erschöpft und glücklich kamen wir um 17 Uhr wieder in Hadern an und konnten somit den lehrreichen und erlebnisreichen Tag für beendet erklären. Alle sind gespannt auf die zukünftigen geplanten Ausstellungen ihrer Werke – so soll zudem der Jugendtreff einen Beitrag zur Stadtteilarbeit leisten –, sodass auch die anderen Kinder und Jugendlichen sehen, was an diesem einen Tag entstanden ist. Außerdem bleibt natürlich mit Spannung abzuwarten, welch Samen man mit solch einer Aktion in der Seele eines Jugendlichen sät und was daraus einmal entstehen kann.

Herzlich bedanken möchten wir uns nochmal bei der Geschäftsführung des Archiv Geiger, Julia Geiger, die uns dieses Projekt ermöglicht hat, sowie Sandra Westermayer, die die Führung durch die Atelierräume übernommen hat, bei Ekkeland Götze, der uns für diese Aktion seine Werkstatt zur Verfügung gestellt und der bei den Kindern und Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zudem sei der Direktorin der Mittelschule an der Guardinistraße sowie den Mitarbeiterinnen der Schulsozialarbeit, die einen wichtigen Teil der organisatorischen Arbeit übernommen haben, ein großes Dankeschön ausgesprochen.

 

Text: Teoman Altinbas
Fotos: Maro Nikolaidou

Impressionen #15: Vinzenz im Archiv

Mitte Januar bekam das Archiv Besuch vom kleinsten Kunstpädagogen der Welt: Vinzenz vom Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Seine Entdeckungen veröffentlichten wir dann auf Instagram. Unsere Kollegin Sandra Westermayer organisierte seinen Besuch und gibt uns hier einen Blick hinter die Kulissen einer solchen Social-Media-Aktion!

 

Vinzenz On Tour im Archiv Geiger

Ich habe mich sehr gefreut, als ich Anfang Dezember von der Teilnehmerin einer vergangenen Veranstaltung des Archivs für die Bayerische Museumsakademie auf die geplante Social-Media-Aktion ‚Vinzenz On Tour‘ vom Ruhpoldinger Holzknechtmuseum aufmerksam gemacht wurde. Mir war sofort klar, auf die Frage, der Vinzenz nachgehen wollte, nämlich: was ist aus dem vielen geschlagenen Holz geworden?, haben wir einiges beizusteuern und wir laden Vinzenz zu uns ins Archiv Geiger ein.

Nachdem ich mir ein paar Gedanken zum Thema ‚Rupprecht Geiger und Holz‘ gemacht und meine Vorschläge mit Julia Geiger geteilt habe, sind wir gemeinsam durch das ehemalige Atelier gezogen und haben Ideen zu möglichen Fotomotiven gesammelt. Als am Montag, den 16.1.17, der Koffer mit der Holzfäller-Playmobilfigur Vinzenz vor der Tür stand, legte ich, mit einem Fotoapparat bewaffnet, sofort los.

Inhaltlich wurde die Story, was Vinzenz auf seiner Erkundungstour durch das Archiv Geiger in Verbindung mit dem Thema Holz alles erlebt, schnell sehr lang, bin ich doch auf immer mehr Ideen, Blickwinkel und Perspektiven gestoßen.

Es war schwieriger als gedacht, die knapp 10 cm große Figur in Verbindung mit Rupprecht Geigers Werken so zu fotografieren wie wir uns das überlegt haten, da es schnell ein Problem mit der Bildschärfe gibt, wenn Vinzenz im richtigen Größenverhältnis erscheinen soll.

Dennoch sind mehr Fotos entstanden, als wir letztlich auf Instagram veröffentlichen konnten. Daher möchten wir nun weitere Bilder von Vinzenz‘ Blickwinkeln im Archiv in diesem Rahmen noch veröffentlichen und wünschen Ihnen viel Spaß dabei!




Impressionen #14: Fototermin

Ende März erhielten wir Unterstützung von Steven Mehrer, der ein kurzes Schulpraktikum bei uns im Archiv absolvierte. Im Rahmen von Ausstellungsvorbereitungen konnte er beim Fototermin assistieren:

„Als Praktikant im Archiv Geiger hatte ich am 29. März die Gelegenheit, dem Fotografen Nikolaus Steglich beim Abfotografieren einiger Kunstwerke sowohl Rupprecht Geigers als auch seines Vaters und seiner Söhne zuzusehen und zu assistieren. Das Fotografieren der Werke, ein erstaunlich aufwändiges, aber hochinteressantes Verfahren, lief folgendermaßen ab: Nach dem Abdunkeln der Fenster des Raumes mit schwarzer Folie, in dem die Fotos gemacht wurden, die störende Lichtflecken auf den Kunstwerken vermeiden sollte, wurden die zahlreichen Geräte, die für das Anfertigen der Bilder nötig waren, aufgebaut. Die Kamera wurde mit einem Laptop und einem hochauflösenden Bildschirm verbunden; außerdem stellten wir zwei Blitzlichtquellen mit großen Schirmen, die dazu dienten, das strahlenförmige Blitzlicht in ein diffuses Leuchten umzuwandeln, auf. Nachdem die Kamera fokussiert und die Blitzlichter in einem exakt abgemessenen Abstand zu der weißen Unterlage auf dem Boden, auf die die Werke gelegt wurden, platziert worden war, fotografierte Herr Steglich die Zeichnungen und übrigen Bilder der Geiger-Familie, angefangen mit einer Abbildung der Brüder Lenz und Florian Geiger (1943 gemalt von ihrem Großvater Willi). Um zu vermeiden, dass die Kamera auf ihrem Stativ immer wieder nach oben und unten verschoben werden musste, wurden die Werke, u. a. Porträts und Radierungen Willis sowie kleinere Zeichnungen Rupprechts und seiner Söhne, ihrer Größe nach absteigend abfotografiert. Damit eine den teilweise sehr detailliert gestalteten Kunstwerken angemessene Bildschärfe gewährleistet werden konnte, überprüften wir jedes angefertigte Foto mithilfe des Monitors genau. Außerdem machte Herr Steglich von jedem Werk zusätzliche Bilder, auf denen den Kunstwerken Farbkeile beigelegt wurden. Mithilfe dieser Karten mit verschiedenfarbigen Feldern kann überprüft werden, ob die Farben der Werke auf den Fotografien tatsächlich originalgetreu wiedergegeben werden. Schatten oder eine unregelmäßige Verteilung des Lichts auf den Bildern waren ebenfalls zu vermeiden. Da Rupprecht auch auf kleineren Zeichnungen häufig leuchtende Neonfarben verwendete, musste darauf geachtet werden, dass diese intensive Leuchtkraft der Farben auf den Fotos gewahrt blieb. Nach einer Umbaupause, während der wir die Kameras auf die Wand gerichtet und die Position der Blitzlichter neu ausgemessen hatten, machte Herr Steglich von den beiden Kunstwerken Rupprechts Bilder, die aufgrund ihrer Größe nicht am Boden liegend, sondern hängend abfotografiert werden mussten. Das letzte Objekt, ein Architekturmodell Florian Geigers, wurde auf einer weißen Plane platziert und ohne Kamerastativ, sondern „per Hand“ fotografiert.

Der beeindruckende Aufwand, mit dem das Anfertigen der Bilder verbunden war, machte mir deutlich, dass der Arbeitsbereich der Kunstfotografie keineswegs banal, sondern äußerst vielseitig und interessant ist. Ich freue mich darauf, einige der Fotos im Katalog zur Ausstellung „Väter & Söhne. Konfrontation und Gleichklang“ des Schoßmuseum Murnau zu sehen.“

Impressionen #13: Sonnenuntergang am Chiemsee

Julia Geiger erlebte bei ihrem letzten Besuch in der Bax am Chiemsee etwas ganz besonderes:

„Ich war vor kurzem wieder am Chiemsee und mein Großvater hat mir einen Gruß geschickt. Als Kind habe ich ihn immer wieder dorthin begleitet und wenn die Sonne unterging, sagt er mir dann: ‚Jetzt sollst Du schweigen und nur noch schauen!‘
Er ließ sich jedes mal auf die unglaublichen Farbenspiele im Himmel und Wasser ein, wie wenn er zum ersten Mal einen Sonnenuntergang ansehen würde. Für mich war das Faszinierende weniger das Naturschauspiel, als viel mehr seine Faszination für diesen magischen Moment.“

Rupprecht Geiger notierte schon 1975 in seinem Rotbuch folgendes zum Phänomen des Sonnenuntergangs:
„Schau in die glutrote untergehende Sonne, sie gibt Dir Kraft für den kommenden Tag“

 

Impressionen #12: Rupprecht Geiger im Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Hier ein schöner Beitrag unserer Praktikantin Sarah Massumi!

Von (Kunst-)Malern und Anstreichern – Eine Porträtaufnahme Rupprecht Geigers von Stefan Moses

Neben meinem Praktikum im Archiv Geiger verbringe ich momentan viel Zeit mit den Recherchen für meine Abschlussarbeit. Diese führen mich regelmäßig in die Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte am Königsplatz. Dort können die Benutzer Rupprecht Geiger zur Zeit ausnahmsweise nicht nur in Form von Büchern, Werkverzeichnissen und theoretischen Abhandlungen begegnen.

Während ich vor Kurzem also wieder einmal im Lesesaal saß, über eine Frage mittelalterlicher Heiligenikonographie nachsinnend, blieb mein schweifender Blick an einer Schwarz-Weiß-Fotografie mit dem Porträt Rupprechts hängen. Der 78-jährige Künstler ist in beinahe klassischer Pose abgelichtet worden: ein Brustbild, im strengen Profil nach rechts blickend, mit leicht nach vorne gewandtem Oberkörper. Der sich nach links verdunkelnde, etwas unscharfe Hintergrund lässt eine reiche Vegetation erkennen. „Fast klassisch“ ist das Porträt insofern, als dass wir das Gesicht des Künstlers nur durch ein Abstreifgitter erkennen, welches sich jener mit der linken Hand schräg vor das Gesicht hält. Das deutliche Nutzungsspuren aufzeigende Maler-Utensil verbirgt durch sein grobmaschiges Netz zwar nicht die Identität des Dargestellten – dennoch stellt es sich dem ungehinderten Blick des Betrachters in den Weg, verschleiert die Züge Geigers.

Die Fotografie stammt aus dem Jahr 1986; sie reiht sich ein in die in den 1960er Jahren begonnenen Serie „Künstler machen Masken“ von Stefan Moses. Die Bedeutung des seit 1950 in München beheimateten Fotografen als einer der wichtigsten Chronisten der deutschen Gesellschaft im 20. Jahrhundert beruht, unter anderem, auf seinen umfangreichen, bisweilen Jahrzehnte umspannenden Zyklen wie „Deutsche“, „Abschied und Anfang – Ostdeutsche Porträts“ oder „Die Großen Alten im Wald“. Auch in der letztgenannten Serie, im Jahr 1998, finden wir Rupprecht in einer Aufnahme wieder.

Den Auftakt der Künstlermasken-Serie stellte das Porträt des Bildhauers Gerhard Marcks aus dem Jahr 1964 dar. Seitdem bittet der Fotograf immer wieder Künstler aus seinem persönlichen Umfeld, sich spontan und mit unmittelbar zur Verfügung stehenden Mitteln zu maskieren – Moses hält dabei sowohl den Verwandlungsprozess als auch das Ergebnis mit der Kamera fest. Die dabei ausgewählten Materialien und der Grad an (Un-)Kenntlichkeit können stark variieren: von Alltagsgegenständen wie einem Vorhang, einer Schere oder einer Flasche Wasser, über Pflanzenteile bis hin zu Skulpturen oder den Werken des eigenen Schaffens; vom kaum verhüllten, direkten Blick in die Kamera bis hin zum vollständigen „Gesichtsverlust“. Die Identität der Dargestellten blieb und bleibt jedoch insofern sichtbar, als dass die den Porträtierten überlassene Wahl der Mittel wiederum Aussagen über deren Persönlichkeit treffen lässt. Exemplare des von Rupprecht umfunktionierten Abstreifgitters sind heute noch, in unterschiedlichen Größen und Formen, im Archiv zu finden. Was könnte uns seine Wahl über den Künstler mitteilen?

Stefan Moses, Rupprecht Geiger, München 1986

Weniger wie eine Maske denn wie ein Schutz, wie das heruntergeklappte Visier eines unsichtbaren Helmes wirkt das von Geiger hochgehaltene Gitter. Abschirmen und gleichzeitig den Überblick über das Geschehen behalten. Sichtbar bleiben – nicht unkenntlich, aber dennoch hinter einem Schleier, mit einer gewissen Distanz zum Trubel – um seine Arbeit und seine Person, das könnte man aus Geigers Selbstinszenierung lesen.

Ort der Entstehung war höchstwahrscheinlich der Garten des Malers in Solln – Refugium, Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Hier war er Nahe genug am (Kunst-)Geschehen der Stadt – und doch entfernt genug, um sich ohne allzu viel Ablenkung, in Ruhe und Konzentration, seiner Arbeit zu widmen: dem Streben nach malerischer und inhaltlicher Vollendung, ohne Kapricen oder Verkünstelungen. Das ihm zur Maskierung verhelfende Gerät war ein Gebrauchsgegenstand seiner täglichen Arbeit.

Die kompositorische Strenge des Porträts und der formelle Gesichtsausdruck des Dargestellten sollten dabei nicht zu ernst genommen werden. Denn dass sich Geiger nicht mit den Symbolen des Maler-Künstlers schlechthin, Pinsel und/oder Leinwand maskierte, sondern mit dem eher prosaischen Utensil der Maler und Anstreicher, zeugt doch von einem gewissen Humor, von einer Persönlichkeit, die auch sich selbst nicht allzu wichtig nahm.

 

Zum Weiterlesen:

Pohlmann, Ulrich/Harder, Matthias (Hrsg.): Stefan Moses. Die Monographie, München 2002. Erschienen anlässlich der Stefan Moses-Retrospektive des Fotomuseums des Münchner Stadtmuseums.

Zur Schenkung Stefan Moses im Zentralinstitut für Kunstgeschichte: www.zikg.eu Eine Auswahl von Fotografien aus der Serie „Künstler machen Masken“ und „Selbst im Spiegel“ ist momentan im  Lesesaal 2 zu sehen.

 

(Wir danken Stefan Moses und dem ZIKG für die freundliche Genehmigung, das Porträt sowie eine Aufnahme der Bibliothek abzubilden.)

Impressionen #11: Aufbau in Ulm

Unsere Praktikantin Maria Issinskaya der Universität Augsburg war diese Woche beim Ausstellungsaufbau im Kunstverein Ulm dabei und hat den Ablauf mitverfolgt:

„Ab 30. November ist die Ausstellung „Geist und Materie“ von Rupprecht Geiger im Ulmer Kunstverein zu sehen. Ich hatte die Möglichkeit, beim Aufbau zu assistieren.
Eine Ausstellung vorzubereiten ist immer spannend: wie aus einem leeren Raum mit Holzkisten ein Kunstuniversum geschaffen wird.
Einen Plan mit den auszustellenden Werken hat man dabei, viele Sachen können erst vor Ort entschieden werden.
Womit fängt man an? Welche Höhe ist für die Bilder optimal? Was für ein Hängesystem hat das Werk? Welcher Abstand zwischen den Bildern und dem Fenster ist am geeignetsten? Wie verhalten sich die einzelnen Werke zueinander?

Die ersten Stunden bei einem Ausstellungsaufbau sind die schwierigsten: man sucht nach der bestmöglichen Herangehensweise und fängt mit den größten Bildern an. Man muss die Wände und Bilder messen, damit sich die Bildmitte auf Augenhöhe befindet. Jede Leinwand hat ihre eigenen Maße und soll ihren eigenen Platz im Raum finden.

Gleichzeitig protokolliert man den Bildzustand nach dem Transport, ob sich etwas verändert hat, ob die Bildoberfläche oder der Rahmen verschmutzt wurde oder Ähnliches.
Je mehr man auf die einzelnen Aufgaben konzentriert ist – Messen, Bohren, Aufhängen, Protokollieren, Auspacken, Einpacken – desto beeindruckender ist die Folge nach sechs Stunden: Eine fertige Ausstellung, ein Raum voller Licht und Farbe.“


 

Impressionen #10: Besuch der Ausstellung in Kißlegg

Vor einer Woche wurde die Rupprecht Geiger Ausstellung im Rudolf Wachter Museum im Neuen Schloss Kißlegg abgebaut. Anfang September erreichte uns hierzu eine Email von Axel Schlabitz worin er passioniert von seiner Begegnung mit den Werken Geigers spricht. Diese wollten wir Ihnen nicht vorenthalten und finden es nun passend als Nachhall zu dieser schönen Ausstellung ein paar Ausschnitte zu veröffentlichen. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Schlabitz fürs Teilen!

686/74 (WV 665), 1974, Acryl auf Leinwand

„Am frühen Nachmittag betraten wird das Kißlegger Schloss und wurden somit mit den Werken von Rupprecht Geiger konfrontiert. Es war eigentlich eine unmittelbare, impulsive Begegnung, eine positive Isolation von allem anderen.
Im ersten Raum war es bereits sehr auffällig, dass die Spotlights die Wirkung der beiden Bilder sehr beeinträchtigt haben. Im zweiten Raum war es noch extremer und wir fragten die Aufsicht, ob wir die Leuchten ausmachen dürften. Dies tat sie selbst. Erst jetzt konnten die Werke ihre eigentliche Wirkung entfalten und dadurch noch mehr faszinieren.
(…)
Ich habe in vielen Ausstellungen noch nicht etwas Vergleichbares erlebt, dass ca. 70 Prozent von 16 ausgestellten Werken neben der Faszination über das Können eines Menschen auch dessen Werke solch eine intensive Wirkung auf mich hatten. (…) Ein leerer Raum, das Bild und ich.
(…)
Die menschlich-künstlerische Fähigkeit zu einem „tiefen Sehen“, einer ebenso emotionalen Empfindung, also mit der Seele sehen, Wirkungen wahrzunehmen und sich diese bereits intuitiv vorzustellen oder im Entstehungsprozess überhaupt erkennen zu können. (…) Das Sehen vom noch Verborgenen, das Sehen ohne zu sehen, eine tiefe Präsenz eines positiven Nichts.
All dies war gestern innerhalb von Stunden auf der gesamten emotionalen Ebene körperlich zu erfahren, so dass neben Erfüllung zugleich eine Art Erschöpfung wahrzunehmen war. Aber eigentlich war es das, was durch Herrn Geiger, von ihm, in diesen Werken enthalten ist.
(…)
Ein wundervolles Erlebnis, das leider einen Seltenheitscharakter im primär ‚rational konsumierten‘ Bereich Kunst besitzt und weiterhin besitzen wird.“ Dies auch unter der Betrachtung bzw. Beurteilung, was in dem allgemeinen Begriff Kunst für sich selbst als wertvoll-bedeutsame Kunst und somit emotional wahrgenommen werden kann.“

 

 

Impressionen #9: Farbzelt

Vor kurzem erhielten wir von Claudia Königsmann ein Foto ihres pinken Farbzeltes und das Archiv-Geiger-Team ist natürlich gleich neugierig geworden – wie entstand diese kleine Hommage an Rupprecht und Florian Geigers Rote Trombe (1985)?

Rupprecht und Florian Geiger, Rote Trombe, 1985

 

„PURE ENERGIE

Rupprecht Geigers Werke faszinieren mich seit ich sie in einer Ausstellung, „Rot Gelb Blau“, im Lenbachhaus 1998 kennengelernt habe.
Die Leuchtkraft seiner intensiven Farben, die radikale Abstraktion und die unglaubliche Energie, die diese Werke ausstrahlen, inspirieren mich immer wieder aufs Neue.
So entstand nach dem Filmabend im Januar 2014 mein Tipi in leuchtendem PINK.

Dreizehn Meter Ballonseide habe ich in wochenlanger Arbeit ohne irgendeinen Schnittplan mit viel Hingabe und Freude vernäht. Wenn man nun in diesem leuchtenden Space sitzt, „tankt“ man diese Energiefarbe und erlebt ein besonderes Wohlfühlgefühl.

Besuche gerne mit Anmeldung: www.kreativmanufaktur.com – herzlich Willkommen!“
Claudia Königsmann

Vielen Dank, Frau Königsmann fürs Teilen und vielleicht kommt ja der ein oder andere „Farbtanker“ bei Ihnen vorbei!

Impressionen #8

„Bei meinem Besuch im Geigerhaus letztes Jahr war ich völlig fasziniert vom Pigmentkeller!
Ich bin keine Fotografin, keine Malerin, aber selbständige Goldschmiedin, und mein eigenes buntes Arbeiten & Schmuckdesign – ich arbeite die Mille Fiori, die farbigen Glassteinchen aus Murano, mit ein – hat mich sehr an diesen wunderbar bunten Keller erinnert.
Toll, dass man in dieses Allerheiligste als Besucher auch vordringen darf, danke dafür!“
– Tine Berger, Goldschmiedin in München/ Haidhausen

Impressionen #8

„Der Künstler Rupprecht Geiger begleitet meine Frau und mich schon seit früher Jugend. In der St. Ludwigkirche Ibbenbüren hat uns das ‚gerundete Rot‘ (mit Überarbeitung 1996 in einen dunkleren Farbton) schon früh fasziniert. Das rote Farbspektrum hat uns seitdem nicht mehr losgelassen.

Ibbenbüren/Westfalen, Kirche St. Ludwig, Apsis "Gerundetes Rot" ("Roter Punkt"), 1971

Bei einem Besuch in einem Kaufhaus in Berlin haben mich die Farbkombinationen dieser Kleidungsstücke unweigerlich an Rupprecht Geiger erinnert.

Wir haben ein Plakat einer Geiger-Ausstellung in der Galerie Wilbrand vom 12.11.-31.12.1966 – die Farbkombination des Siebdruckes ist den Farben der Kleidungsstücke doch recht ähnlich.“

Vielen herzlichen Dank an den Sammler aus Köln für diesen schönen Strang an Geiger-Assoziationen!