Die Familie Geiger: Lenz Geiger

Mit der Kunst und den zwei charismatischen Persönlichkeiten von Großvater und Vater wächst die nächste Generation Geiger heran. Die beiden Söhne Rupprechts wählen, der Familientradition folgend, die Berufe des freischaffenden Künstlers beziehungsweise des Architekten. Ihr Neuanfang in Südfrankreich 1973 und die darauffolgende Konzentration auf biologischen Landbau bilden vielleicht den notwendigen Abstand zum bisherigen Werdegang. Dank ihrer neu gewonnenen Distanz können sie sich Jahre später abermals der Kunst widmen.

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Lenz Geiger, ‚Erdplastik II‘, 1971

Der älteste Sohn, Lenz Geiger absolviert zunächst eine Ausbildung in Typografie und Gebrauchsgrafik und arbeitet anschließend über ein Jahrzehnt als Maler, bevor es ihn ans Mittelmeer zieht. Er findet auch schnell den Zugang zu den Tagesleuchtfarben und es entstehen zahlreiche, teils großformatige Gemälde, bei denen geometrische Formen und starke Farbkontraste dominieren. Bewegungen und deren Richtungen werden durch Diagonalformen ausgedrückt. Insbesondere ein nach unten gedrehtes Dreieck mit einer nach innen oder außen betonten Spitze kommt in seinem Formenvokabular immer wieder vor, sowohl in seinem malerischen, druckgrafischen und zeichnerischen Frühwerk als auch in seinen früheren und späteren plastischen Arbeiten. Bei den in Murnau ausgestellten Werken ist diese geometrische Form in den beiden Kaltnadelradierungen sowie bei der Erdplastik vor dem oben genannten Haus am Chiemsee zu finden, die mit dem Ostgiebel, sozusagen als Spiegelung, korrespondiert. Dieses Arbeiten mit und in der Landschaft fasziniert Lenz Geiger zeitlebens. So widmet er sich nach der Wiederaufnahme der künstlerischen Tätigkeit Anfang der 1990er-Jahre neben seinem malerischen Werk monumentalen Skulpturen im roten Tal des Flusses Salagou, die sich in die Landschaft integrieren und gleichzeitig die landschaftlich vorgegebenen Formen betonen. Bei dem ausgestellten Foto der riesigen Feldstein- und Basaltskulptur verwendet der Künstler vorhandenes Material, um ein Dreieck zu bilden, als Korrespondenz und Spiegelung des sich in der Ferne erhebenden Mont Mars. Auch wenn 30 Jahre dazwischenliegen, so sind die Parallelen zwischen dieser Skulptur und der Erdplastik vor der Bax unübersehbar.

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Lenz Geiger, ‚Skulptur in der Landschaft im Languedoc‘, 2003

In der Malerei verabschiedet sich Lenz immer mehr von dem herkömmlichen zweidimensionalen Bildträger und entwickelt dreidimensionale, großformatige Holzobjekte, die er mit Tagesleuchtfarben bemalt. Im Vergleich zu seinem Vater ist seine Farbpalette breiter gefächert, die Farbe Grün nimmt eine wichtige Rolle ein. Den ständigen Austausch zwischen dem Wahrgenommenen und dessen künstlerischen Umsetzung fasst Lenz wie folgt zusammen: „Das innere Bild führt das Auge auf entsprechende Phänomene in der Außenwelt und drängt zur Sichtbarwerdung durch kreative Arbeit“.[i]

[i] Lenz Geiger in einem Gespräch mit der Verfasserin im Zuge der Vorbereitungen einer Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, Sommer 2013.

Dieser Auszug stammt aus dem Ausstellungskatalog zur oben genannten Ausstellung.

Zitierweise: Geiger, Julia: Die Künstlerfamilie Geiger: Eine Kunstreise über Generationen, in: Kat. Ausst. Väter & Söhne. Konfrontation und Gleichklang, Schloßmuseum Murnau 2016, München 2016, S 124f.

 

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