Impressionen #16: Kunstprojekt mit Jugendlichen

Kunstprojekt in Kooperation mit dem Archiv Geiger für Kinder und Jugendliche aus dem Jugendtreff pfiffTEEN Hadern

Am Vormittag des Donnerstags, den 9. Februar 2017, haben wir, die Mitarbeiter des Jugentreff (JT) pfiffTEEN Hadern (KJR München-Stadt) mit 8 Mädchen und 7 Jungen (aus den fünften und sechsten Klassen der Mittelschule Guardinistraße) zuerst das Archiv Geiger in München-Solln besucht und danach an einem Siebdruck-Workshop im Atelier von Ekkeland Götze teilgenommen.

Doch wie kam es dazu, dass unserem Jugendtreff die Ehre zuteil wurde, bei einem so exquisiten Kunstprojekt teilzunehmen. Die Idee entstand schon vor etwa zwei Jahren, nachdem ich privat an einem Siebdruck-Workshop des Archiv Geiger bei Ekkeland Götze teilnahm und mein entstandenes Werk mich sehr stolz machte.
Meine folgende Überlegung war, dass sich unser lichtdurchfluteter und stark frequentierter Jugendtreff wunderbar dazu eignen würde, die selbst erstellten Werke der Kinder auszustellen. Außerdem würden sich die Kinder Gedanken über die Entstehung von Kunst, die Betitelung und die Art der Aufhängung der Exponate machen müssen, da sie mit der öffentlichen Ausstellung ihrer Werke erklären müssten, was genau sie da auf welche Art und Weise erschaffen haben.

Anschließend an die Geburt der Idee hieß es, die Verantwortlichen des Archivs Geiger, meine Kollegen im Team des Jugendtreffs, die Mittelschule an der Guardinistraße und nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen zu überzeugen, dass ein derartiges Projekt allen einen Vorteil bringen würde und zudem hervorragend zu unserem diesjährigen Motto ‚Farbe Rot‘ passen würde.
Mit einigen Besprechungen waren alle Widrigkeiten ausgeräumt und es konnte zur Realisierung fortgeschritten werden.

Treffpunkt 9. Februar, 10 Uhr, Archiv Geiger: Dort erhielten wir bei einem geführten Rundgang durch die ehemaligen Atelierräume einen Einblick in das Leben und Werk des Künstlers Rupprecht Geiger. Wir lernten einiges über Methode und Ziel des Künstlers sowie dessen angewandter Techniken und verwendeten Pigmente.


Danach ging es mit dem Erlernten und dem Erlebten im Gepäck zum Mittagessen zurück in den JT pfiffTEEN nach Hadern.
Gestärkt und ausgeruht machten wir uns sodann auf den Weg zum Atelier des Künstlers Ekkeland Götze nach Sendling, um dort bei einem Siebdruck-Workshop selbst Hand anzulegen, Rupprecht Geigers Haupttechnik konkret auf den Grund zu gehen und – nicht zuletzt – selbst ein kleines Kunstwerk zu erschaffen.

Nachmittag, 15 Uhr, Atelier Götze, Gotzingerstr. 52 B: Nach einer kurzen Einführung in die verschiedenen Arten der Drucktechnik wurde gegen 15.30 Uhr unter Anleitung von Ekkeland Götze zur Tat geschritten und es entbrannte ein aufgeregtes Treiben. Während die Farbtöne von leuchtend Orange nach Pink auf das Sieb aufgetragen wurde, keimte schon die erste Idee bei den Kindern auf, wie solch eine Farbmodulation entstehen könnte. Die Mutigeren unter ihnen mussten gebremst und die Schüchternen leicht ermutigt werden. Sie durften nacheinander ihren ganz persönlichen Bogen, der vorab nummeriert und dem entsprechenden Namen zugeordnet wurde, bedrucken, indem sie den Rakel mit Druck über das Sieb zogen. Danach wurde der Bogen zur Trocknung aufgehängt. Die Schürze musste zügig dem nächsten TeilnehmerIn übergeben werden, sodass es zu keinem Arbeitsstopp kam, denn schließlich hatte Ekkeland die klare Anweisung gegeben, nicht zu trödeln, damit die aufgetragene Farbe am Sieb nicht antrocknet.
Gegen 16.30 Uhr hatten alle Kinder eigenhändig zwei Bögen gedruckt und wollten diese am liebsten sofort mitnehmen.
Jedoch wurde ihnen nochmals erklärt, dass erst nach der Trocknung eines der Werke an sie überreicht, das zweite im Jugendtreff aufgehängt und ausgestellt wird. Die sinnliche Erfahrung des Erschaffens hatte sie erst richtig begreifen lassen, wie der Künstler Rupprecht Geiger gearbeitet hat.

Erschöpft und glücklich kamen wir um 17 Uhr wieder in Hadern an und konnten somit den lehrreichen und erlebnisreichen Tag für beendet erklären. Alle sind gespannt auf die zukünftigen geplanten Ausstellungen ihrer Werke – so soll zudem der Jugendtreff einen Beitrag zur Stadtteilarbeit leisten –, sodass auch die anderen Kinder und Jugendlichen sehen, was an diesem einen Tag entstanden ist. Außerdem bleibt natürlich mit Spannung abzuwarten, welch Samen man mit solch einer Aktion in der Seele eines Jugendlichen sät und was daraus einmal entstehen kann.

Herzlich bedanken möchten wir uns nochmal bei der Geschäftsführung des Archiv Geiger, Julia Geiger, die uns dieses Projekt ermöglicht hat, sowie Sandra Westermayer, die die Führung durch die Atelierräume übernommen hat, bei Ekkeland Götze, der uns für diese Aktion seine Werkstatt zur Verfügung gestellt und der bei den Kindern und Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zudem sei der Direktorin der Mittelschule an der Guardinistraße sowie den Mitarbeiterinnen der Schulsozialarbeit, die einen wichtigen Teil der organisatorischen Arbeit übernommen haben, ein großes Dankeschön ausgesprochen.

 

Text: Teoman Altinbas
Fotos: Maro Nikolaidou

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