Sammlergedanke #5

Zum Jahresbeginn möchten wir mit Ihnen einen sehr schönen, ja nahezu poetischen Text über das Werk Schwarzes Rot (WVG 178, 1989) teilen:

Welche Kraft dieses Bild hat!
Alles scheint es aufzusaugen, jede Regung,
jeden Impuls im Raum, jedes Eintretenden Blick,
bindet alles und strahlt’s gebündelt machtvoll wieder ab.
Und doch ist es vollkommen ruhig, unbewegt, es schwebt,
rein aus sich heraus wirkt es, bannt es, leuchtet es,
anders jeden Tag, zu jeder Stunde, anders bei jedem Licht;
wie stark es ‚da ist‘ am Tag, noch wenn‘s im Rücken hängt,
und wie geheimnisvoll bei Nacht, im Dämmer der Laternen draußen,
kein Moment ist wie der andere bei diesem Bild.
So klar es ist, diese Scheibe, fast ein Kreis, so fragil das Spiel der Kräfte:
oben schwer, hart abgesetzt, unten lichter, leichter,
entgegen der Schwerkraft, die doch Masse sinken lässt,
löst sich das Gewicht, geht es über, gravitiert ins Schweben.
Aber was für eines: erhaben! Am Rand vibrierend zwar
von innrer Spannung, jedoch gebändigt, ausgewogen
(zudem glücklich fein gefasst vom Rahmen), klingt aus ihm
Hoheit, als könne sich nur das Sublime zeigen,
wo solch starke Form auf solche starke Farbe trifft.
Dies Bild ist Farbmacht und reine Gestalt,
groß nicht, aber Großes spricht es aus,
kein Abbild ist es, und ist doch,
ins Negativ gewendet, schwarz glühend,
bedrängend und befreiend, bestürzend und beglückend
– – eine Sonne.

 

 

 

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