Künstler am Chiemsee

Die letzten drei Monate wurde unser Team durch unsere Praktikantin Franziska Eiselt bereichert. In dieser Zeit hat sie auch ihre Bachelor-Arbeit verfasst zu einem passenden Thema!

Vielen Dank, für diesen Blog-Eintrag!

 

Als „ChiemSeekind“ wusste ich schon zu Beginn meines Studiums, dass ich für meine Bachelorarbeit ein regionales Thema wählen wollte. Und das war auch sehr schnell gefunden: Julius Exter als Symbolist. Bei meiner Bachelorarbeit konzentrierte ich mich vor allem auf die symbolistische Phase von Julius Exter, die sich in seinem Werk vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts abzeichnete.

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Künstlerhaus Exter in Übersee am Chiemsee

 

 

 

 

 

 

 

Der Chiemsee und seine einzigartige Landschaft am Rande der Voralpen war seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ziel, vornehmlich für Münchner Künstler, doch ich wählte Julius Exter (1863-1939) als Hauptgegenstand meiner ersten großen Studienarbeit aus.
Die vielen Streifzüge durch das Künstlerhaus in Übersee, dass Exter 1902 erwarb, waren wohl der Auslöser. Der Künstler kaufte das ehemalige Bauernanwesen „Stricker“ und gestaltete Haus und Garten in den folgenden Jahren um, auch um es als Sommermalschule zu nutzen.
Unter anderem kamen eine Veranda, ein Atelier mit hohen Fenstern und eine Galerie hinzu. Der Garten erhielt eine neue Bepflanzung und einen Teich (Schmid Elmar D.: Julius Exter. Aufbruch in die Moderne, München 1998). Noch heute kann man auf einer Gartenbank im Schatten sitzen und die farbenprächtigen Blumen bestaunen. Und auch die insgesamt vier Ateliers im Haus kann man mitsamt den Farbtöpfen und Gemälden durchwandern.
Der Chiemsee, das bäuerliche Leben und die Farbspiele der Sonne inspirierten Julius Exter zu seiner Kunst und durch diese heute die Besucher des Exter-Hauses in Übersee.

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Künstlerhaus Geiger – die “Bax”

 

 

 

 

 

 

 

Doch das Künstlerhaus Exter ist nicht der einzige Ort in Übersee an dem man das Leben und Wirken eines Künstlers auf den Grund gehen und farbenprächtige Werke betrachten kann. In Neuwies / Übersee kann man in regelmäßigen Abständen auch das Künstlerhaus Geiger – die sogenannte „Bax“ – ein ca. vierhundertfünfzig Jahre altes Bauernhaus erkunden. Willi Geiger erwarb dieses 1930 und gestaltete es zusammen mit seinem Sohn Rupprecht um. Seit 2004 finden hier in regelmäßigen Abständen Ausstellungen statt, die das Leben des Künstlers illustrieren und in den Ferienwohnsitz der Familie Einblick geben.
Der Chiemsee hat nicht nur landschaftlich sondern auch kulturell vieles zu bieten; ich als „Seekind“ muss es wissen!

Aktuelle Ausstellungen:

Im Künstlerhaus Exter: Julius Exter (1863-1939) – Licht und Farbe
12. Juni – 11. September 2016 Di-So 17-19 Uhr
11. September: 10-19 Uhr

In der Bax: Willi Geiger und Rupprecht Geiger: Reise in den Süden
17. Juli bis 11. September 2016
Sa./So. 11 – 13 Uhr und 15 – 18 Uhr geöffnet
11.9.2016: Tag des offenen Denkmals, 10 – 17 Uhr

Fotoquelle Exter-Haus

 

Rupprecht auf Reisen #12: Assisi

Letzten Monat war ich in der Toskana unterwegs und selbstverständlich stand ein Besuch der Pilgerstadt Assisi auf dem Plan!
IMG_8084San Francesco ist mit Abstand die bekannteste Basilika in diesem Ort – im 13. Jahrhundert erbaut findet man in der Oberkirche einen fantastischen Anblick: der Freskenzyklus von Giotto di Bondone. Dieser Künstler hielt Ende des 13. Jahrhunderts die Franziskuslegende in 14 Fresken fest.

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Auch Rupprecht Geiger reiste in den 1920er Jahren mit seinem Architektur-Professor Eduard Pfeiffer und Kommilitonen in die Toskana. Vom blauen Hintergrund tief beeindruckt, fertigten Geiger und sein Freund Karl Hirschbold ihre Architekturskizzen eines kleinen Klosters in Trevi auf Papier an, welches ersterer vorher blau färbte. Schon hier einen sich malerische und architektonische Aspekte; Merkmale, die sich durch die ganze Schaffenszeit Geigers ziehen.

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Rupprecht Geiger und Karl Hirschbold, Architektur-Maßaufnahmen vom Convento die Cappuccini in Trevi, 1926, Aquarell/Papier, je 41 x 41 cm

Sammlergedanken #10

Eine langjährige Geiger-Sammlerin gewährt uns hier einen spannenden Blick in ihr “Geiger-Reich”!

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“Vor drei Jahren habe ich die Nische meines Wohnzimmers neu streichen lassen. Dazu habe ich dem Maler eine kleine Grafik von Rupprecht Geiger gezeigt und gesagt, dieses Blau möchte ich. Die Gestaltung der Schränke rechts und links der Nische wurden vor Jahrzehnten von Rupprecht entworfen, und dazu sollte die Farbe auch harmonieren.
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Und jetzt habe ich eine Arbeit von Rupprecht erworben und in diese Nische gehängt- sie ist wie dafür geschaffen. Sie bringt das Zimmer zum Leuchten und auch die Spiegelung nachts in der Terrassentür ist umwerfend.”

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Impressionen #14: Fototermin

Ende März erhielten wir Unterstützung von Steven Mehrer, der ein kurzes Schulpraktikum bei uns im Archiv absolvierte. Im Rahmen von Ausstellungsvorbereitungen konnte er beim Fototermin assistieren:

“Als Praktikant im Archiv Geiger hatte ich am 29. März die Gelegenheit, dem Fotografen Nikolaus Steglich beim Abfotografieren einiger Kunstwerke sowohl Rupprecht Geigers als auch seines Vaters und seiner Söhne zuzusehen und zu assistieren. Das Fotografieren der Werke, ein erstaunlich aufwändiges, aber hochinteressantes Verfahren, lief folgendermaßen ab: Nach dem Abdunkeln der Fenster des Raumes mit schwarzer Folie, in dem die Fotos gemacht wurden, die störende Lichtflecken auf den Kunstwerken vermeiden sollte, wurden die zahlreichen Geräte, die für das Anfertigen der Bilder nötig waren, aufgebaut. Die Kamera wurde mit einem Laptop und einem hochauflösenden Bildschirm verbunden; außerdem stellten wir zwei Blitzlichtquellen mit großen Schirmen, die dazu dienten, das strahlenförmige Blitzlicht in ein diffuses Leuchten umzuwandeln, auf. Nachdem die Kamera fokussiert und die Blitzlichter in einem exakt abgemessenen Abstand zu der weißen Unterlage auf dem Boden, auf die die Werke gelegt wurden, platziert worden war, fotografierte Herr Steglich die Zeichnungen und übrigen Bilder der Geiger-Familie, angefangen mit einer Abbildung der Brüder Lenz und Florian Geiger (1943 gemalt von ihrem Großvater Willi). Um zu vermeiden, dass die Kamera auf ihrem Stativ immer wieder nach oben und unten verschoben werden musste, wurden die Werke, u. a. Porträts und Radierungen Willis sowie kleinere Zeichnungen Rupprechts und seiner Söhne, ihrer Größe nach absteigend abfotografiert. Damit eine den teilweise sehr detailliert gestalteten Kunstwerken angemessene Bildschärfe gewährleistet werden konnte, überprüften wir jedes angefertigte Foto mithilfe des Monitors genau. Außerdem machte Herr Steglich von jedem Werk zusätzliche Bilder, auf denen den Kunstwerken Farbkeile beigelegt wurden. Mithilfe dieser Karten mit verschiedenfarbigen Feldern kann überprüft werden, ob die Farben der Werke auf den Fotografien tatsächlich originalgetreu wiedergegeben werden. Schatten oder eine unregelmäßige Verteilung des Lichts auf den Bildern waren ebenfalls zu vermeiden. Da Rupprecht auch auf kleineren Zeichnungen häufig leuchtende Neonfarben verwendete, musste darauf geachtet werden, dass diese intensive Leuchtkraft der Farben auf den Fotos gewahrt blieb. Nach einer Umbaupause, während der wir die Kameras auf die Wand gerichtet und die Position der Blitzlichter neu ausgemessen hatten, machte Herr Steglich von den beiden Kunstwerken Rupprechts Bilder, die aufgrund ihrer Größe nicht am Boden liegend, sondern hängend abfotografiert werden mussten. Das letzte Objekt, ein Architekturmodell Florian Geigers, wurde auf einer weißen Plane platziert und ohne Kamerastativ, sondern „per Hand“ fotografiert.

Der beeindruckende Aufwand, mit dem das Anfertigen der Bilder verbunden war, machte mir deutlich, dass der Arbeitsbereich der Kunstfotografie keineswegs banal, sondern äußerst vielseitig und interessant ist. Ich freue mich darauf, einige der Fotos im Katalog zur Ausstellung “Väter & Söhne. Konfrontation und Gleichklang” des Schoßmuseum Murnau zu sehen.”

Sammlergedanken #9

Nach einer Pause erreichte uns mal wieder ein schöner Sammlergedanke, diesmal von Steffie Müller:

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“Die Postkarten habe ich anlässlich eines Archiv-Besuchs gekauft. Endlich sind sie eingerahmt. Es geht nichts über die wunderbaren Farben von Rupprecht Geiger. Sie geben Energie!”

Forschungen zu Rupprecht Geiger

Im Herbst letzten Jahres verfasste die Restauratorin Johanna Stegmüller ihre Masterarbeit über die Maltechnik Rupprecht Geigers. Dazu verbrachte Sie viel Zeit bei uns im Archiv für Recherchen. Zum Tag der Archive am Samstag, den 5. März 2016 wollten wir nun das Exposé der Arbeit von Johanna Stegmüller mit Ihnen teilen, damit Sie einen Einblick in die Forschungen zu Rupprecht Geiger und seinem Werk erhalten!

„Die Wandlung von Farbmaterie zum Farbgeist“
Master-Thesis über die Maltechnik Rupprecht Geigers

„Farbe ist das Motiv:

Ich male das Portrait der Farbe ‚Rot‘. Dieses, in großen, monochrom modulierten Farbfeldern Leuchtrot dargestellt, wird die Potenz der Farbe erkennbar machen. Ihre Stimmungswerte werden auf uns übertragen als geistige Farbkraft empfunden. […] Kaltes Rot. Das Pink der Leuchtfarben insbesondere strahlt beim Aufsprühen nahtlos nach Weiß über. Dokumentiert die Wandlung von Farbmaterie zum Farbgeist. […]“

Dies notiert Rupprecht Geiger 1970/75 in sein Künstlerbuch Exponent.1 Wie diese „Wandlung von Farbmaterie zum Farbgeist“ gestalterisch auf die Leinwand gebracht wurde, beruht besonders auf dem kreativen Prozess des Künstlers – einer praktischen Umsetzung theoretischer Vorbereitungen eines gewünschten Ausdrucks durch die künstlerische Hand. Doch auch die physikalische Beschaffenheit der Werke bedingt ihre Ausdruckskraft. Die von Geiger verwendeten Tagesleuchtpigmente sind beispielsweise eine maßgebliche Vorrausetzung für die Realisierung seiner Ziele. Im Rahmen einer Master-Thesis im Studiengang Konservierung und Restaurierung von Gemälden an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart wurden die materialtechnischen Grundlagen die zur Entstehung der Gemälde Rupprecht Geigers beitrugen, erörtert. Als wichtigste direkte Quelle diente das ehemalige Atelier des Künstlers – das heutige Archiv Geiger in München Solln. Malmaterialien aller Art und aus allen Phasen des künstlerischen Wirkens sind hier noch verwahrt und dienten in Kombination mit den Skizzenbüchern des Künstlers als Zeugnisse. Zu den geschaffenen Werken stellt das Künstleratelier eine aufschlussreiche Quelle für Informationen dar. Im Prozess ihrer Entstehung und in ihren finalen Resultaten sind sie originär behaust im Atelier und der mit ihr geschaffenen Umgebung.2 So offenbart sich hier der kreative Arbeitsprozess als äußerlich wahrnehmbarer Vorgang.3

Die im Archiv noch auffindbaren Malmaterialien zeichnen zudem ein Bild davon auf, aus welcher Produkt-Palette Geiger während seines gesamten Schaffens Nutzen schöpfte. So finden sich im ehemaligen Atelier des Künstlers neben einer großen Vielfalt an Pigmenten auch Bindemittel aller Art und sonstige Zusätze, wie Lösemittel oder fabrikfertige Farben. Auch die Maltechnik des Künstlers lässt sich an Pinseln und anderen Gerätschaften erörtern, wie auch das Mobiliar die Art seiner Benutzung zur Entstehung der Werke verrät. Diese Zeugnisse sollten für die Zukunft erhalten werden und wurden im Rahmen der Master-Thesis ausführlich dokumentiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter dem Archivgut im Atelierhaus in Solln befindet sich ein unveröffentlichter Ordner, den Rupprecht Geiger vermutlich selbst anlegte und mit dem Titel „Farbe“ versah. In diesem Ordner wurden Broschüren, Faltblätter und Ähnliches zu Malmaterialien gesammelt. Zudem finden sich einige persönliche Notizen sowie Briefverkehr mit Fachhändlern zu spezifischen Fragestellungen. Einige Unterlagen beziehen sich auf Materialien, die in Zusammenhang mit den Gemälden Geigers stehen und stellen wertvolle Dokumente dar.

 

 

 

 

 

 

Auch in den im Archiv Geiger bewahrten Tage-, Notiz- und Skizzenbüchern Rupprecht Geigers befasst sich der Künstler überwiegend theoretisch mit den Zielen seiner Malerei. Zu technischen Details finden sich vergleichbar wenige Eintragungen. Dennoch konnten einige hilfreiche Randbemerkungen zu Geigers praktischem Vorgehen ausfindig gemacht werden. Auch ließen sich Auskünfte zu verwendetem Malmaterial herausfiltern.

 

 

 

 

 

 

Als spezielle Fragestellung galt es, die früh verwendeten Bindemittelkompositionen der durch Geiger so bezeichneten Eitempera und anschließenden Öl-Malerei, zu erforschen. Hierzu wurden an einer Auswahl von Gemälden minimale Mengen der Malschicht entnommen und diese Proben am Institut für Konservierungswissenschaften in Stuttgart analysiert. Die Komponenten der Malmittel konnten weitreichend geklärt werden und es ergaben sich interessante, bisher nicht bekannte Aspekte zu dieser Thematik. Die Malschichten der Gemälde, die laut Geiger in Eitempera gemalt wurden, enthielten neben verhältnismäßig viel Ei, mehr oder weniger hohe Anteile an Pflanzengummen. Dies stellt sich als eine neue, nicht bekannte Variation der Bestandteile von Geigers Eitempera dar. Auch bei den Malschichtproben der Gemälde aus den Jahren 1958 und 1965, die nach Geigers Angabe in Öl gebunden sind, wurde ein geringer Anteil an Ei detektiert. Bisher war zur Ölfarbe Geigers bekannt, dass er die Pigmente mit Leinöl und Terpentinöl angerieben hat.4 Der durch Geiger so bezeichneten Ölfarbe wurde den Analyse-Ergebnissen nach eindeutig auch Ei hinzugegeben. So handelt es sich also zumindest bei den beprobten Werken nicht um eine reine Ölmalerei.

 

 

 

 

Im Hauptteil der Master-Thesis wurden alle gewonnen Informationen nach ihrer Eigenart in Materialgruppen gegliedert vorgestellt. So wurden zunächst der Bildträger, dessen Format und die Grundierung desgleichen, anschließend die Bindemittel und die Pigmente, die zum Einsatz kamen, sowie zuletzt deren Verarbeitung in ihrer Kombination untereinander, dargelegt. Durch diese Ansammlung von Berichten zur Maltechnik, Auflistungen der überlieferten Materialien und Abbildungen wichtiger Details der Werke innerhalb der Master-Thesis, sollte eine anschließend bessere Einschätzung ermöglicht werden, aus welchen Substanzen die Werke geschaffen sind (Pigmente, Bindemittel, etc.) und welche Elemente als zugehörig angesehen werden müssen (Keilrahmen, Rahmung). Neben dem Überblick zu den im Bilde verwendeten Werkstoffen wurde erörtert, auf welche Art Rupprecht Geiger diese einsetzte, um seine gewünschte Bildaussage zu erreichen. Die Intention des Künstlers konnte durch zahlreiche publizierte Interviews und Einträge in seinen Tage- und Skizzenbüchern mit seinen eigenen Worten nachgezeichnet werden. Abschließend konnten Hinweise für den geeigneten konservatorischen und restauratorischen Umgang mit Geigers Werk gegeben werden. Mit dem Bewusstsein der Intention des Künstlers, die durch die gesteigerte Bedeutung des materiellen Bestandes unterstützt wird, dürfen Eingriffe in die Substanz wie auch das Gesamtgefüge immer nur soweit reichen, dass die in der Master-Thesis dargelegte „Wirkung“ des Werkes gegeben ist.

1 [Geiger R. 1970/75, S. 58] [Geiger, Rupprecht: Exponent. Ein unveröffentlichtes Künstlerbuch 1970/75. In: Ausst. Kat. RG, München 1998. S. 57- 61. Friedel, Helmut: Rupprecht Geiger im Lenbachhaus München, Hrsg. Friedel, Helmut, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, 1998, Die Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung von Rupprecht Geiger: Rot, Gelb, Blau im Kunstbau des Lenbachhauses vom 28. Januar bis 22. März 1998, Druck und Bindung: Wolf & Sohn, München]

2 [Vgl. Mai 2008, S. 78] [Mai, Ekkehart: Das Atelier – Bild des Künstlers, Topos der Kunst. (S.74-81) in: (Hrsg.) Buschmann, Renate; Marzona, Daniel: Inside the studio. Erika Kif fotogra ert Gerhard Richter, DuMont Buch- verlag, Köln 2008]

3 [Vgl. Bianchi 2011, S. 38] [Bianchi, Paolo: Das Atelier als Manifest. (S. 34-45) In: Kunstforum International, Bd. 208 Mai – Juni 2011.]

4 [Vgl. Klein 1998, S. 74] [Klein, Felicitas: Farbiges Licht – Rupprecht Geiger und die Tagesleuchtpigmente Eine maltech- nische Betrachtung. In: Kat. Ausst. Rupprecht Geiger: „Rot, Gelb, Blau“, Kunstbau des Lenbach- hauses München 1998, München 1998.]

Zeitreise: Stegmüller, Johanna: Exposé zu “‘Die Wandlung von Farbmaterie zum Farbgeist’. Masterthesis zur Maltechnik Rupprecht Geigers”, in: Archiv Geiger Blog LINK (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ).

Farb-Formen

Unsere Praktikantin Annalena Döring hat anlässlich unserer neuen Präsentation im Archiv Geiger, die sich den Werken in unregelmäßigem Format widmet, einen schönen Text zu Rupprecht Geigers “Farb-Formen” verfasst. Einen herzlichen Dank, liebe Annalena!

Foto: Oliver Heissner

Farb-Formen

Schon früh versucht Rupprecht Geiger, die Farbe zu befreien und sie von der Form zu emanzipieren. Die Feststellung, dass Farbe an sich schwer zu erkennen ist, da sie sofort mit ihrer Umgebung Beziehungen aufnimmt, veranlasst ihn zunächst shaped canvases zu verwenden. Er greift damit Frank Stella um 20 Jahre voraus. Geiger erschafft Formen für die Farben, die er darstellen will.[1] Mit singulären Bildformaten, die visionäre Vorstellungen vom All vorwegzunehmen scheinen, ist seine Malerei in der von ihm mitbegründeten Künstlergruppe ZEN 49 unvergleichlich.[2]
Allerdings erkennt er schnell, dass dies nicht der richtige Weg zur Befreiung ist, da die Bildobjekte eigene Körper werden und zu optischen Täuschungen neigen.
Den Sprung zur reinen autarken Farbe vollzieht Geiger durch die Reduzierung auf einfache Formate: Quadrat, Rechteck und Oval. Durch die Nähe zur Architektur greift er auf diese archaischen, optisch unaufdringlichen Formen zurück, die geeignet sind, die Farbe unbeeinflusst zu lassen. „Der sehgewohnten Bindung an Formales entrückt, wird Farbe neu erlebt und endlich als autonomes Element erkennbar.“[3] Geiger versteht unter dem Begriff Farbformen nicht ein vorgegebenes Objekt, sondern die Dimension der Farbe selbst, den Ablauf der Modulation von hell nach dunkel.[4] Von nun an werden Farbformen für Geiger zur Manifestation von Farbe.[5] „Ich bin davon überzeugt, dass Farben Formen entwickeln können“ und „[e]ine Farbe allein muss dem Wunsch nach Form genüge tun können.“[6]

 



[1] Vgl. Helmut Friedel im Film „Geiger“ von Tilman Urbach, 2009.

[2] Vgl. Ausst. Kat. R.G., St. Petersburg 1994, S. 157.

[3] Ausst. Kat. Für R.G., Eine Ausstellung zum 75. Geburtstag, Galerie der Künstler, München 1983.

[4] R.G.: Brief an H.H., 1967.

[5] Vgl. Rupprecht Geiger: Brief an Helmut Heissenbüttel, in: Ausst.Kat. Rupprecht Geiger, Kestner-Gesellschaft, Hannover 1967.

[6] Rupprecht Geiger im Interview mit Maria Wetzel, Diplomatischer Kurier, 12.6.1963.

Impressionen #13: Sonnenuntergang am Chiemsee

Julia Geiger erlebte bei ihrem letzten Besuch in der Bax am Chiemsee etwas ganz besonderes:

“Ich war vor kurzem wieder am Chiemsee und mein Großvater hat mir einen Gruß geschickt. Als Kind habe ich ihn immer wieder dorthin begleitet und wenn die Sonne unterging, sagt er mir dann: ‘Jetzt sollst Du schweigen und nur noch schauen!’
Er ließ sich jedes mal auf die unglaublichen Farbenspiele im Himmel und Wasser ein, wie wenn er zum ersten Mal einen Sonnenuntergang ansehen würde. Für mich war das Faszinierende weniger das Naturschauspiel, als viel mehr seine Faszination für diesen magischen Moment.”

Rupprecht Geiger notierte schon 1975 in seinem Rotbuch folgendes zum Phänomen des Sonnenuntergangs:
“Schau in die glutrote untergehende Sonne, sie gibt Dir Kraft für den kommenden Tag”

 

Rupprecht auf Reisen #11: Tokyo

Den goldenen Oktober habe ich in Japan verbracht und natürlich besuchten wir die Mega-Metropole Tokyo! Ein Geiger-Kärtchen war selbstverständlich auch im Gepäck und wurde in den Hama Rikyu Gärten abgelichtet. Die gepflegte Parkanlage mit traditionellen Häusern gespickt besteht bereits seit dem 17. Jahrhundert. Noch heute ist der Park viel besucht, wo man während dem Genuss einer Schale Matcha-Tee über den Kontrast von Wolkenkratzer-City und traditionell gehaltener Anlage staunen kann.

Rupprecht Geiger verschlug es sogar mehrmals nach Japan: 1986 im Rahmen einer Ausstellung im Seiji Togo Kunstmuseum in Tokyo und 1988 ins Goethe-Institut Osaka für die Ausstellung „Bilder für den Himmel. Kunstdrachen“. Hierzu schuf Geiger eigens Der rote Drachen und setze die Farben Pink und Red in zwei unterschiedlich rechteckigen Formen zusammen. Die daraus entstandene Form eines fast quadratischen Elements mit einem darauf platzierten liegenden Rechteck ordnet sich geschickt in sein Schaffen dieser Zeit ein, evoziert aber gleichzeitig die Form einer traditionellen japanischen Drachenart des Sodedako, der seinen Name einem kimonoartigen Kleidungsstück verdankt.

Rupprecht Geiger, Der rote Drachen, 400 x 400 cm

 

 

Rupprecht auf Reisen #10: Korfu

In Korfu angekommen, dachte ich eigentlich daran, die Quadrate neben einen tollen südlichen Sonnenuntergang zu fotografieren. Jedoch lässt sich das – wie Geigers Werke auch – so schlecht fotografisch festhalten. So habe ich mich bald nach einem anderen Motiv umgesehen und wurde auch sehr schnell fündig.

Rupprecht Geiger hat in seiner Griechenland-Zeit 1944 das mediterrane Licht studiert und gezeigt, wie leuchtend sich alles in diesem Licht zeigen kann. Schon beim ersten Betreten des Hotels fielen mir die tollen roten Blumen mit ihrer enormen Leuchtkraft im Garten auf.